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“In Sachsen-Anhalt steht man früher auf. Bei uns bleibt dafür niemand sitzen” Baden-Württemberg

Kirchheim unter Teck

Weihnachtsfeier Auftritt für Racechip im „Scharfen Eck“ in Kirchheim unter Teck, Baden-Württemberg. Die Firma stellt erfolgreich Chips für Autos her, dass sie schneller fahren. Zuerst fuhren wir in unser Hotel „ Schwarzer Adler“, ca. 400 Meter zum Veranstaltungsort entfernt. Ein sehr altes Hotel, seit 150 Jahren im Familienbesitz. Wir gingen gleich in die Innenstadt, wo uns die gelb-grünen Straßenschilder auffielen.  Warum das so ist konnten wir leider nicht rausfinden, weil die Passanten es auch nicht wussten. Viele Fachwerkhäuser, an den Dachgiebeln  hingen leuchtende Glühbirnen. Der Duft von Zimt, gebrannten Mandeln, Glühwein und Bratwürsten durchzog die Straßen. Ein schöner Weihnachtsmarkt und dazu kommt noch der Sound des Schwäbischen. Ab 17.00 Uhr bauten wir unser Equipment im „Scharfen Eck“ auf. Das Essen war übrigens eine Gaumenfreude. Die Mitarbeiter von Racechip sind fast alle zwischen  20 – 30 Jahre alt. Meiner Meinung nach das perfekte Publikum, wach, offen, noch nicht mit dem Leben abgeschlossen und mit der Neugier eines Kindes. Ein gefundenes Fressen für uns. Dass sie Humor und Spaß vertragen, hat man an ihrem eigenen zusammengeschnittenen Video gesehen, wo jeder aufs Korn genommen wurde. Und Humor muss man ja auch haben, wenn man schwäbisch spricht. Zuerst feuerte Zauberer Jan das Publikum mit seinem Charme und Witzen an, dazu noch seine tolle Zauberei, dann kam ich. Man spürte, dass die Zuschauer eine schöne Arbeitsstelle haben. Sie waren sehr entspannt und gut drauf. Als wir fertig waren, klatschten sie aus vollem Herzen. Es hat uns richtig Spaß gemacht bei den Schwaben. Wir verabschiedeten uns und wünschten ihnen schöne Weihnachten und viel Erfolg im nächsten Jahr. „ He noi, die Schwobesäckel soll ma halt schwätze losse, schaffets schaffets Häusle baue“.


Der Gedächtniskünstler

Ein Gedächtniskünstler benutzt Mnemotechniken, die es für ihn einfacher macht sich Dinge zu behalten. Es ist keine neue Erfindung, schon die alten Griechen und Römer bedienten sich dieser Technik vor etwa 2500 Jahren. Der eigentliche Erfinder  war der Dichter und Gelehrte Simonides aus Keos. Laut Cicero wurde er von Skopas zu einem Festmahl eingeladen. Simonides trug ein Loblied vor, wo es fast nur um Kastor und Pollux ging. Der geizige Skopas, teilte ihm mit, er werde nur einen Teil an ihn zahlen, da er kaum über ihn geredet hat, den Rest solle er sich von Kastor und Pollux holen. Simonides wurde die Nachricht gebracht, das zwei Männer auf ihn draußen warten, dem war aber nicht so. In dem Moment, wo er außerhalb des Gebäudes war, stürzte das Dach ein. Alle Gäste wurden auf eine schreckliche Weise  tödlich begraben und entstellt.  Es war unmöglich zu wissen welche Person wo war, um sie bestatten zu können. Dank Simonides konnten die Toten identifiziert werden, da er bei seiner Lobrede sich jede Person merkte, wo sie gesessen haben. Da hatte er doch einen guten Lohn erhalten von Kastor und Pollux, denn er war noch am Leben und konnte den Verwandten helfen ihre Angehörigen  zu finden.

Für mich als Illusionist, Zahlen Jongleur und Gedächtnis-Künstler ist es sehr beeindruckend, wie damals Simonides sich das gespeichert hat. Er benutzte, die sogenannte Loci -Methode (Loci =Ort), von ihm erfunden. Das heißt, er visualisierte die Räumlichkeit und genau die Stellen, wo die Gäste saßen. Ich und der Schweizer Zauberer Magic Dean bedienen sich auch dieser  Technik. Wenn ich mir beispielsweise viele Namen bei einer Show merken soll (an die 600 Namen), wende ich die Locimethode an. Jeder Name wird in meinem Gedächtnispalast abgelegt. So ist es für mich leichter, sie bei meiner Show nacheinander  aufrufen zu können. Dazu versuche ich eine Ähnlichkeit zu einer von mir bekannten Person festzustellen, sei es nur ein Prozent. Wichtig ist hier, dass man sich mit einer großen Auswahl an verschiedenen Gesichtern schon auseinander gesetzt und gespeichert hat. Das gilt auch für Namen.  Für viele ist es unfassbar, für mich eine Herausforderung und ein großes Glücksgefühl.

Der Illusionist…

Ein Illusionist verführt sein Publikum durch Täuschung, Ablenkung und Informationsflut.

Er weiß: „Wenn ich dir fünf Bälle zuwerfe, fängst du keinen. Wenn ich einen Ball werfe, fängst du ihn.“

Der Mensch kann nicht wirklich zwei Fokusse gleichzeitig halten. Das nutzt der Illusionist, Mentalist oder auch der Taschendieb aus, indem er beim Klauen zwei Berührungen macht.
Eine Feste, wie ein Stoß, und eine leichte wo das Objekt genommen wird.

Dem Illusionist ist es wichtig verschiedene Lösungsvorschläge bei seiner Vorführung zu suggerieren, um die Erklärungsversuche vom Publikum in den Sand laufen zu lassen. Dabei streut er zig Informationen, damit der Zuschauer mit dem Filtern überfordert ist.

Er setzt Ablenkungen ein, auch „Misdirection“ auf Englisch genannt, um noch eine größere Verwirrung zu stiften. Der Mentalist rundet die Täuschung der Wahrnehmung mit Fingerfertigkeit, Sprache, Betonung, Musik und Licht ab. Er lässt den Zuschauer mit seinen Erklärungsversuchen in eine Sackgasse laufen, und verwickelt ihn in eine endlose Schleife, wo er immer wieder denkt:“Jetzt weiß ich, wie er das gemacht hat“ um dann festzustellen, dass es noch mal Überdenkung braucht.

Der Illusionist schafft Illusionen. Er lässt die Träume von Gedankenlesen, Schweben, Verschwinden und Erscheinen in seiner Show wahr werden. Er schafft für eine begrenzte Zeit eine Welt, die wir schon als Kinder von Märchen kennen, und wovon wir als Erwachsene oft träumen.

Ganz ehrlich: Wer möchte nicht gerne mal Geld herzaubern können, seine Nachbarin zersägen oder den Boss verschwinden lassen?